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Von Shaniwarwada und anderen Zungenbrechern

Wie jeden Sonntagmorgen so wurde ich auch heute kurz vor Sonnenaufgang vom Gebetsruf der benachbarten Moschee geweckt. Unterhalb der Woche kann ich ihn wegen des starken Berufsverkehrs kaum hören, doch am Sonntag schläft Pune aus und selbst die grässliche Baustelle von nebenan gibt mal Ruhe. Nur die Muslime sind gegen halbsechs schon aktiv … und wenn sich ihre melodischen Suren in meinen Halbschlaf einschleichen, bin ich immer ganz erstaunt, dass ich dann in Indien aufwache und nicht etwa in Marokko, Tunesien oder Ägypten. Ähnlich wie in Deutschland wache ich auch hier oft mit dem Morgengrauen auf und muss dann auch irgendwann vor lauter Langeweile aufstehen. Verdrehte Lerche, die ich bin.

Dabei wollte ich heute wirklich mal ausschlafen. Wir waren gestern den ganzen Tag in der Stadt unterwegs gewesen, um die nächste Staffel von „We discover Pune“ zu drehen. Ob wir eine Sightseeing-Tour machen oder nicht, ist nach fünf Arbeitstagen immer wieder eine schwierige Entscheidung  – große Erschöpfungszustände am darauf folgenden Sonntag müssen hier nämlich stets mit einkalkuliert werden, denn Pune macht einfach mal richtig müde … mit seinen Staus, seinem Lärm, seiner Hektik. Das Ganze bei 30 Grad im Schatten. Nur die Neugierde treibt uns da voran. Deshalb müssen wir sie randvoll in unsere Hosentaschen abfüllen, bevor wir starten, damit unsere Unternehmungslust für vier, fünf Stunden ausreicht. Ich schreibe das, um keine romantischen Vorstellungen von unseren City-Touren per Riksha entstehen zu lassen. Die Fotos, die ich für Euch schieße, beruhen auf harter Arbeit ;-).

Nein, nein, so schlimm ist es natürlich nicht. Selbstverständlich genießen wir auch unsere Ausflüge! Gestern haben wir uns in Central Pune herumgetrieben, einem der ältesten Stadtbezirke. Höhepunkt war eindeutig das Kelkar Museum! Sollte mich tatsächlich mal einer von Euch besuchen kommen, gehört dieses Museum zum Pflichtprogramm. Ausgestellt werden hier indische Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände, die teilweise bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen. Es waren vor allem die vielen Holzschnitzereien (Skulpturen und Türen) und die altertümlichen Musikinstrumente, die mich fasziniert haben. Ich habe sogar einen freundschaftlichen Plausch mit dem Museumsdirektor halten können, der mir höchstpersönlich einen Überblick über seine wertvolle Sammlung gegeben hat. Unsere Münder standen angesichts der filigranen Kunstwerke die ganze Zeit offen.

Außerdem haben wir uns auf das Fort Shaniwarwada gestürzt – Eure Haare müssten jetzt übrigens eine La-Ola-Welle für meine Gedächtnisleistung machen, denn sich diesen Namen zu merken, ist wirklich eine Herausforderung – aber leider ist Shaniwarwada nicht halb so interessant, wie es der Name und der Eintrittspreis versprechen. Was von der alten Burganlage übrig geblieben ist, sind ein paar Grundmauern, bis auf Knöchelhöhe abgetragen – und nirgends gab es ein paar erklärende Tafeln, die zumindest diese spärlichen Überreste mit Leben gefüllt hätten. Als archäologischer Bildungsbanause konnte ich dem Fort nicht viel Leidenschaft entgegenbringen. Das Schönste war wohl der Anblick der vielen Liebespaare, die sich hinter irgendwelchen dicken Bäumen oder in den Winkeln des Burgwalls versteckten, um heimlich Händchen zu halten. Der Austausch von Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit, ja überhaupt das Beisammensein zweier Personen unterschiedlichen Geschlechts stößt nämlich selbst im modernen Pune zum Teil immer noch auf gesellschaftliche Missbilligung.

Gelohnt hat sich aber auch der halbstündige Fußmarsch zwischen dem Kelkar Museum und dem Fort. Hier zieren viele kleine Läden den Straßenrand. Wir haben unzählige wunderbare Papierschöpfer und Buchbinder gesehen, kunterbunte Schmuck- und Textilläden, eine unvergesslich lecker duftende Bäckerei, so groß wie ein Konsum, gefüllt mit indischem Gebäck, sowie sogar einen Müller, der das Getreide seiner Kunden vor unseren Augen mahlte. Es war wieder so eines dieser herrlichen Markt-Mosaike, an dem ich mich kaum satt sehen kann.

Zum Abschluss des Tages sind wir zu den Pataleshwar Höhlen gefahren. Ein Ort der Ruhe mitten im Großstadtgetummel von Pune - die Atmosphäre hier war fast noch schöner als in den Karla Caves. Überall saßen Studenten und lasen, diskutierten leise oder vertrieben sich die Zeit einfach nur mit Vor-Sich-Her-Sinnen. Der Boden war übersät mit weißen Blüten, die von umstehenden Bäumen gerieselt waren. Wenn der Wind günstig stand, roch es sogar nach Sandelholz-Räucherstäbchen. Und am Eingang zu den Höhlen stand ein wunderschöner alter Baum, dessen Äste, Ableger oder Teilstämme sich wie ein Wasserfall auf die Erde ergossen. Ein Baum wie aus dem Märchenbuch! Es fühlte sich richtig gut an, barfuss durch die Säulengänge zu wandeln und um den Tempel herum zu laufen. Wenn es mir mal nicht so toll geht, könnte ich mir vorstellen, mich hierhin zurückzuziehen.

Und bevor ich mir mein Abendbrot brutzele, muss ich Euch noch ein wenig neidisch machen! Ich habe gestern meine erste Wassermelone in diesem Jahr gegessen – und die war sooooooooooooo süß und saftig. Ein Traum von einer Wassermelone! Sie hat keinen Tag überlebt. Gleich noch gehe ich mir eine neue kaufen. Und eine leckere Papaya dazu! 

2.3.08 14:25
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Eilika (3.3.08 08:44)
Fotos folgen also noch *grins*
Also, ich denk, dass ich heute und morgen noch ausgiebig online bin... Mittwoch gehts nach Heidelberg, aber auch von Papas Rechner bekommen wir das hin!
Allerliebste Grüße aus Leipzig
Eilika

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