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Gleich zweimal ein Fest der Farben …

Farben standen an diesem Wochenende für uns ganz groß auf der Tagesordnung, denn unser christliches Osterfest, an dem traditionellerweise Eier gefärbt und bunt bemalt werden, überschnitt sich mit dem indischen Frühlingsfest Holi. Holi ist das farbenfreudigste aller indischen Feste und gleichzeitig eines der ältesten überhaupt: schon Krishna soll Holi mit seiner Gefährtin Radha und den anderen Hirtinnen zelebriert haben. Es heißt, dass an diesem Tag alle Schranken durch Kaste, Geschlecht, Alter und gesellschaftlichem Status aufgehoben seien. Dementsprechend ausgelassen wird es gefeiert. Freunde und Bekannte treffen sich zum „Spiel“ auf den Straßen, jagen sich und besprengen bzw. bestreuen sich gegenseitig mit gefärbtem Wasser und gefärbtem Puder, dem Gulal. Wer als ahnungsloser Passant zwischen die Fronten gerät, wird gewöhnlich einfach fröhlich mit eingefärbt. Holi ist genau so ein Ausnahmetag wie Fastnacht. Da ist ja auch kein Schlips sicher. Der Einzelne hat zwangsläufig keine andere Wahl, als allen Unsinn mitzumachen.

 

Wie alle Feste in Indien ist auch Holi in seiner Bedeutung sehr vielschichtig. Im spirituellen Bereich vermittelt es die Botschaft vom Triumph des Guten über das Böse. In der Natur dagegen markiert es den Sieg des Frühlings über den Winter, denn das Fest beginnt mit dem Aufblühen der Natur. Ein wichtiger Punkt ist den Menschen auch der Versöhnungsaspekt, denn es heißt, dass man in diesen Tagen auch alte Streitigkeiten begraben soll. Deshalb werden am Vorabend zum Holi kleine Feuer auf den Straßen entzündet. In diesen verbrennen die Menschen eine Stroh-Figur der Dämonin Holika sowie als Opfergabe ein Stück eines ganz speziell für Holi gebackenen Brotes … und schließlich alte Sachen, alte Gedanken oder schlechte Erinnerungen. Holi hat jedoch auch eine Schattenseite und die liegt im übermäßigen Konsum vom sonst verpönten Alkohol und dem Rauschmittel Bhang. Viele Mädchen und Frauen trauen sich an diesem Tag nicht alleine auf die Straßen oder bleiben gleich ganz zu Hause. Besonders in Städten soll es immer häufiger zu Gewaltproblemen kommen. Daher bin auch ich am Samstag etwas vorsichtiger gewesen. Natürlich hat es mich gereizt, ganz nah alles mitzuerleben. Doch statt mich ins buchstäblich bunte Getümmel zu werfen, habe ich mich mit indischen Kolleginnen nur dezent mit etwas gelber Pulverfarbe bestrichen und bin dann in die ruhigen Berge geflohen.

 

Eine Freundin hatte mich zum Wochenendhaus ihrer Eltern eingeladen, wo wir einen wunderschönen Tag in der Natur verbracht haben. Wie üblich war wieder ein Großteil der Familie anwesend …und eine ganze Horde kleiner Eidechsen. Es wurde zusammen Mittag gegessen, in den Bergen spaziert, auf der Terrasse geschaukelt, gedöst und diskutiert. Und ich habe wie vor hundert Jahren Körner gemahlen – mit Hilfe eines uralten Mahlsteins! Ich wäre damals wohl verhungert, denn den Mahlstein zu drehen, erforderte von mir den Einsatz meines gesamten Körpergewichtes. Als ich anfing, schlapp zu machen, hatte ich gerade mal genug Mehl produziert, um einen Fingerhut zu füllen. Das Grundstück hatte auch einen alten Steinofen, der jedoch nur bei längeren Aufenthalten in der Berghütte zum Einsatz kommt. Vielleicht darf ich ihn auch mal aktiv erleben, wenn dann der Monsun kommt und alles noch viel grüner ist. Und die Mangos an den Bäumen schön gelb und süß sind.

 

Am Sonntag habe ich die Einladung dann umgedreht und Freunde zu uns bestellt, um deutsche Osterkultur zu vermitteln. Etwas suchen zu müssen, bevor man es behalten darf, oder Osterschmuck herzustellen, dachten wir, wäre ja mal ganz aufregend für unsere indischen Kollegen. Und so haben wir einen großen Brunch vorbereitet mit selbst gebackenen Keksen und Kuchen, belegte „Schwarzbrot“-Happen, Joghurt und verschiedenen Salaten. Natürlich haben wir auch Eier-Catchen gespielt, nur dass es diesmal nicht um den Abwasch „danach“ ging, sondern einfach nur um den Spaß. Ausnahmsweise ;-)

 

Schließlich kam der Höhepunkt des Tages: das Eierfärben und -bemalen. Da eine Großzahl der Inder keine Eier isst und wir zudem wollten, dass jeder eine kleine Erinnerung mit nach Hause nehmen kann, haben wir uns für ausgeblasene Eier entschieden. Allein das war schon ein Riesen-Spaß. Während des Malens herrschte dann konzentrierte Stille. Alle haben wir mit solchem Ehrgeiz gepinselt, aus Ermangelung eines wirklichen Pinsels sogar nur mit Ohrstäbchen, so dass man hätte annehmen können, niemand sei zu Hause. Das Ergebnis waren fünf individuelle, teils sehr ästhetische, teils sehr lustige Ostereier. Und am Abend ein großer Berg Rührei … 

23.3.08 16:11
 


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