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Guripaduwa – ein frohes neues Jahr!

Heute haben die Menschen von Pune den Jahreswechsel gefeiert. Aufgrund der unterschiedlichen Zeitrechnung fällt der Neujahrstag in Maharashtra jedes Jahr auf ein anderes Datum und stimmt dadurch nicht mit „unserem“ Silvester überein oder vielleicht nur alle paar hundert Jahre mal. In den Straßen habe ich allerdings nicht viel von einem solchen Feiertag mitbekommen. Aufmerksame Augen konnten lediglich kleine Ketten aus einem weißen, flachen, süßen Gebäck sehen, die in einzelnen Geschäften angeboten wurden und die einige Menschen um ihren Hals trugen oder aber an ihren Fahrzeugen befestigt hatten.

Kollegen haben mir erzählt, dass sich am Guripaduwa die gesamte Familie trifft und zusammen kocht und isst. Ein Silvester, das daheim im Stillen zelebriert wird – ohne viel Knallkörper und Alkohol, wie wir es in Europa gewohnt sind. Es geht einfach nur ums Zusammenfinden. Das hat mir gefallen, wo ich ja auch eher zu den Silvestermuffeln gehöre als zu den Partylöwen. Außerdem sehe ich auch so genug Feuerwerke: fast jeden Abend brauche ich einfach nur aus meinem Fenster zu gucken, sobald es dunkel wird. Meistens wird in einem der Restaurants „vor unserer Haustür“ eine Hochzeit gefeiert – und das mit bunten Raketen, die weit, weit in den Himmel aufsteigen, so dass ganz Pune sehen kann: hier haben sich zwei Menschen gefunden oder sind gefunden worden.

In Pune, wie modern die Stadt auch sein mag, sind arrangierte Hochzeiten immer noch Gang und Gebe. Hat ein Sohn bzw. eine Tochter bis zu einem bestimmten Alter (zwischen 25 und 30 Jahren) nicht selbst einen Partner aufgespürt, ziehen die Eltern los und schauen sich im Bekanntenkreis um, ob da nicht noch was Nettes solo ist. Dann wird die erste Vorstellungsrunde im Hause der Eltern der jungen Frau abgehalten, wo diese ihrem potentiellen Mann Tee und Gebäck reichen darf und wahrscheinlich erstmal nicht so viel Gelegenheit haben wird, mit ihm persönlich zu sprechen. Als erstes lernen sich die beiden Elternpaare und der junge Anwärter kennen. Später kommt es gewöhnlich zu weiteren Treffen, wo die jungen Leute auch mal alleine sein dürfen und ausgehen.

Wenn sie sich mögen, gehen die Familien gemeinsam zum Astrologen und lassen sich anhand der Sternenkonstellation ein für sie günstiges Hochzeitsdatum errechnen. Liebe ist da erstmal nicht im Spiel. Ich habe mit einigen meiner Kolleginnen gesprochen, von denen viele überzeugt waren, dass die Liebe dann später in der Ehe kommt. Unvorstellbar für mich. Aber es scheint zu funktionieren, weil die wichtigste Säule ihrer Ehe der gegenseitige Respekt ist. Die meisten Paare sehen glücklich aus. Geheiratet wird dabei tatsächlich meist nur innerhalb der eigenen Kaste.

Aber zurück zum Guripaduwa. Sara und ich wollten diesen Tag eigentlich endlich mal im Osho Ressort verbringen, für das Pune so berühmt ist. Hier wird die Kunst des Meditierens und des Yoga gelehrt. Die Kurse finden alle hinter gut verschlossenen Türen statt. Das Areal ist bewacht wie ein Hochsicherheitstrakt. Außerhalb habe ich fast nur Weiße gesehen. Alle Schüler tragen bordeauxrote Kutten und die meisten von ihnen auch ein europäisches Gesicht. Selbst das Personal, das Besucher empfängt, ist europäisch. Mir kamen sofort Zweifel an der Authenzität dieses Etablissements. Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei so viel Kommerzialisierung noch der Geist eines wahren Hinduismus in den Gemäuern herrschen kann. Vielleicht täusche ich mich auch. Jedenfalls war ich am Ende nicht ganz so enttäuscht, dass schon alle Karten für „Tagesbesucher“ ausverkauft waren …, wenn auch ich die legendäre Gartenanlage schon gerne gesehen hätte. Mal sehen, ob Sara und ich irgendwann noch mal einen zweiten Versuch starten.

Statt ins Osho zu gehen, waren wir dann in den umgebenden Straßen spazieren, wo sich eine Villa an die nächste reihte. Hier muss wohl die High Society von Pune leben, umgeben von viel Palmengewächs und anderem Grün und herrlichem Vogelgezwitscher. Und wahrscheinlich drehen sie hier auch mal die ein oder andere Bollywood-Filmszene. Passen würde es jedenfalls. Ein Erlebnis waren hier auch die alten, knorrigen Bäume, auf die selbst ich mal wieder klettern musste, weil da so viele Kindheitserinnerungen durchkamen. Irgendwie hatte ich das schon viel zu lange nicht mehr gemacht …

Schließlich habe ich mir als kleines Trostpflaster für meine Osho-Enttäuschung noch eine kleine handgefertigte Panflöte gekauft. So ist meine indische Musikinstrumentensammlung schon auf drei Unikate angewachsen. Neben meiner neuen Flöte besitze ich schon eine rajasthanische Handtrommel und eine wunderschöne Klangschale. Die natürlich alle uraufgeführt werden, wenn ich für Euch meine Dia-Show starte!

7.4.08 21:14
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Eilika (21.4.08 21:37)
Oh Conny!!
Gerade komm ich heim und werfe einen Blick in Dein Blog und was lacht mich an?? Das zweite Foto *gg*
Wir waren ja (wie Du bestimmt weißt) vorhin im Kino und haben Outsorced geguckt und an Dich gedacht, und da spielte diese Göttin der Zerstörung (Namen hab ich vergessen) auch eine gewisse Rolle ;-) Überhaupt weiß ich ja nicht, wie authentisch der Film war, aber bei vielem musste ich schon an Dinge denken, die Du erzählt oder geschrieben hast...
Freu mich auf Dich ;-)
Liebe Grüße
Eilika

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