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Conny im Erdbeer-Wunderland

Bestimmt habt Ihr auch ab und zu mal einen Traum, in dem einige Eurer Lieblingsspeisen eine wesentliche Rolle spielen. Ich z. B. träume im Frühsommer gerne von einer Badewanne voller Erd-, Blau- und Brombeeren, in der ich zwischen Stöpsel und gummiertem Nackenkissen mit weit aufgesperrtem Mund hin und her schwimme … – zum Glück wache ich immer an der Stelle auf, wo das Ganze noch Spaß macht und ich noch keine Bauchschmerzen habe.  

Vor diesem Hintergrund werdet Ihr verstehen, dass ich am Samstag das Gefühl hatte, eine Traumfabrik zu betreten, als ich das Schild “Welcome to Mahabaleshwar” hinter mir ließ. Denn hier gab es echte und unechte Erdbeeren in allen Größenordnungen: als Plakat, als Girlande, als Baumschmuck, als Gartenzaun, als Lampe und, was mich am meisten erfreute, als lange Kette von Händlern, die echte Erdbeeren zu großen Pyramiden gestapelt hatten und sie zum Verkauf anboten.  

Mahabaleshwar ist ein riesiges Bergplateau in den Western Ghats, denen man nachsagt, dass hier das ideale Klima für den Anbau von Erd- und Maulbeeren herrsche. Die Straßen waren flankiert von Erdbeerfarmen, die alle möglichen Produkte mit dem roten Leckerli anbieten, von der frischen Frucht über Shakes, Icecream und Cookies bis hin zu Bonbons und Sirup. Die entsprechenden Straßenabschnitte dufteten so betörend nach frischen Erdbeeren, dass mir der Kopf nur so schwirrte. Und in den Restaurants wurden uns als kostenlose Vorspeise Körbe mit Beeren gereicht, so dass danach kaum noch Platz genug im Bauch blieb für die eigentliche Mahlzeit. Ein Erdbeertraum eben … und keine drei Autostunden von Pune entfernt.  

Ziel war es aber nicht nur, einen roten Erdbeermund zu bekommen, sondern auch ein bisschen zu wandern. Und dazu gab es in Mahabaleshwar ausreichend Gelegenheit. Das Plateau hat insgesamt dreizehn Aussichtspunkte auf einer Fläche von 150 km2 – der höchste davon liegt in 1500 m Höhe – sechs davon haben wir erklommen. Ich weiß, dass Ihr, meine lieben Skifahrer, jetzt wahrscheinlich spöttisch schmunzeln werdet, da Ihr ganz andere Gipfelhöhen bezwungen habt, wenn auch nur runterwärts. Aber für mich war es hoch genug, um mal wieder ein bisschen ins Schwitzen zu kommen und die Aussicht zu genießen. Und um meinen ersten Brand von der Höhensonne zu bekommen … mitten auf der Nase und links und rechts davon – sehr dekorativ wie eine Ind(ian)er-Bemalung.

Überhaupt fühlte ich mich ein bissel wie im Dschungel. Denn in Mahabaleshwar wächst einer der wenigen immergrünen Wälder, die es noch auf unserer Weltkugel gibt, nicht zu verwechseln mit einem Urwald, aber trotzdem mit jeder Menge bunter Schmetterlinge, lustiger Vögel und … diebischer Affen! Ich hatte mich ja wirklich auf meine erste Begegnung mit einem wild lebenden Affen gefreut. Aber Kolba-Heiko, Du hast mir gar nicht gesagt, wie gefährlich das auch sein kann! … Erstmal sehen einen die Affen schneller, als wir sie bemerken – was noch nicht so außergewöhnlich ist. Die Situation gewinnt aber spätestens dann an Dramatik, wenn kleine Connys mit einem großen Walnusskuchen in freier Wildbahn ein Picknick machen wollen. Und um davon etwas abzubekommen, scheinen Affen nichts unversucht zu lassen und vergessen auch jegliche Menschenscheu.

Innerhalb von Sekunden war ich von einer Horde Affen umringt, von denen ich nicht einmal wusste, dass ich mein Ruheplätzchen mit ihnen teile. Das war der Schreck der Woche. Und ich hatte ganz andere Gedanken im Kopf als “Ach, wie sind die niedlich!” Hier ging es um meinen Walnusskuchen, also fast ums Überleben. Instinktiv hielt ich meinen Arm so hoch wie möglich und rannte weg – total vergessend, dass ich hier nicht kleinen Kindern etwas verwehre, sondern Renn-, Spring- und Kletterkünstlern. Dementsprechend unbeeindruckt und siegesgewiss blieb der Ober-Affe. Für Außenstehende muss die Situation sehr lustig gewesen sein. So haben sich die guten Inder um mich herum auch erstmal Zeit gelassen und lachend ihren Spaß gehabt, bevor sie mir zur Hilfe eilten und die Affen verjagten. … Affen verscheucht man übrigens genauso wie Wildschweine: groß aufbäumen und laut brüllen – hätte ich das mal vorher gewusst. Ich bezweifle zwar, dass ich damit nicht ein ebenso lächerliches Bild abgegeben hätte, aber immerhin wäre meinem quälenden Fressneid früher ein Ende bereitet worden. ;-)

Auf den Schrecken gab es dann auch erstmal einen übersüßten, indischen Tee, so wie ich ihn mit meinen Kollegen in der Frühstückspause immer trinke. Der beruhigte. Auf einem nahe gelegenen Bergplateau waren wir dann aber trotzdem vorsichtshalber lieber mit einer Pferdekutsche unterwegs als zu Fuß. Die Fahrt zu den verschiedenen Aussichtspunkten erwies sich als sehr unterhaltsame Unternehmung. Ich fühlte mich nicht länger wie ein Dschungelkind, sondern mittlerweile wie ein Cowboy, der über Stock und Stein durch den Wilden Westen tuckelt – vor ihm nichts als ockerfarbener Sand und ein paar dörre Büsche und um den Ohren das Knallen der Pferdepeitsche. Nur die Büffel haben gefehlt. Stattdessen gab es aber jede Menge Mulis. Wer ausreichend Fantasie hat, kann in Mahabaleshwar tatsächlich Weltreisen unternehmen …

5.4.08 19:26
 


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