Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt

http://myblog.de/filzschuh-leipzig

Gratis bloggen bei
myblog.de





Jungle Topped Matheran

Grüne Wälder, kilometerweite Ausblicke, Mucksmäuschenstille, ein selbst noch im Sommer moderates Klima und schließlich die höchste Affenpopulation in ganz Maharashtra – das ist Matheran, eine 800 Meter über dem Meeresspiegel gelegene Bergstation, die, frei aus dem Marathi übersetzt, auch „Dschungel auf der Spitze“ heißt. Angelockt von diesem poetischen Namen haben wir, Irene, Vidya und ich, am letzten Samstag einen Ausflug hierher unternommen … voller Erwartungen.

Mit „Dschungel“ assoziierten wir, dass es in Matheran ziemlich urig zugehen müsse. Das kann ich im Rückblick auch gerne bestätigen. Denn unterwegs entdeckte ich überall verwilderte Wanderpfade und vernahm, ihnen folgend, die merkwürdigsten Tiergeräusche. Während nämlich Irene und Vidya mit einem Pferd durch die Gegend trotteten, schlug ich mich kurzerhand zu Fuß durchs Dickicht. Mit meiner Wasserflasche als Machete. Ohne maßstabgetreue Karte und ohne Kompass, also immer fein der Nase nach, was die Sache besonders abenteuerlich machte. Vor allem weil auch mein Handy gar keinen Empfang hatte, was ich zum Glück erst Stunden später merkte, als ich den größten „Dschungel“ schon hinter mir hatte.

So musste ich zwangläufig auf Abwege geraten – wie ein Rotkäppchen. Nur sind mir zum Glück anstelle des bösen Wolfes nur handtellergroße Schmetterlinge, flitzende Eidechsen und jede Menge in den Bäumen raschelnde, neugierige Affen begegnet. War schon ein komisches Gefühl, hinter oder neben sich ständig Bewegungen wahrzunehmen und sich beobachtet zu fühlen, ohne jedoch selbst Jemanden zu sehen. Es gab auch eine Vogelart, deren Gesang wie das Geräusch eines Handventilators begann und sich über einen Zahnbohrer bis hin zu einer Kreissäge steigerte – und zwar richtig laut. Ich habe den Burschen leider ebenfalls nie zu Gesicht bekommen.

Am schönsten aber in Matheran ist wohl die Stille – natürlich zwischen besagten Vogelsirenen. Wenn ich mich weit genug auf einen kleinen Pfad eingelassen hatte, stand ich zwischen großen, schattigen Bäumen und hörte wirklich erst einmal gar nichts. Nichts, nichts, nichts … außer dem Rauschen meines eigenen Blutes in den Ohren. Das hatte ich zum einen der Tatsache zu verdanken, dass Inder scheinbar nicht so gerne wandern wie Deutsche, sich folglich auch nicht so schnell freiwillig auf abgelegene Plätze einlassen würden, wo nicht doch mal von Zeit zu Zeit eine (handgezogene) Riksha vorbeikommt. Vor allem aber ist die Stille (und auch die reine Luft) dem Verkehrsverbot für alle Maschinen betriebene Fahrzeuge zu zollen.

Die einzigen Fortbewegungsmittel in Matheran sind Pferde und handgezogene Rikshas. Als Transportmittel für Lebensmittel und Baustoffe etc. werden vorwiegend Mulis, Ponys und Holzkarren eingesetzt. Die Karren werden dabei aus unerklärlichen Gründen nie von Lasttieren gezogen, sondern immer von jungen Burschen, angefeuert durch die Anwesenheit ihrer Teuersten, die fleißig mitmarschieren und die ganze Zeit dabei herumkichern. Ein Bild für die Götter!

Daneben gibt es auch noch die schniefende Matheran Hill Railway, die Matheran City mit dem nahe gelegenen Ort Neral verbindet, wo alle Regionalzüge aus Mumbai etc. enden. Aber ich glaube, der kurze Bummelzug ist so sehr mit einheimischen Touristen und Urlaubern überfüllt, dass er kaum für andere Zwecke als den Massentransport benutzt werden kann. Selbst im Frühzug sollen die Menschen schon wagemutig aus den Ein- und Ausgängen hängen, weil „drinnen“ kein Platz mehr ist. Wohl dem, der seinen Klammerreflex aus frühen Kindesjahren in sein Erwachsenendasein hinüberretten konnte und dank dessen nicht aus dem Zug gedrängt werden kann auf dem Weg zum „Dschungel auf der Spitze“.

Wer dagegen ein Auto hat, wie wir glücklicherweise, der kann bis ganz nah an Matheran heranfahren … Die Straßen sind allerdings nur knappe drei Meter breit und die Seite zum Abhang hin natürlich nicht gesichert. Mir blieb nichts anderes übrig, als am laufenden Band zu beten, dass kein Gegenverkehr kommen möge und dass Kupplung und Bremse unseres Wagens den letzten indischen TÜV bestanden hätten – falls es etwas wie ihn überhaupt gibt. Trotz der schönen Landschaft um mich herum musste ich oft genug die Augen schließen …

Doch wer die Schwindel erregende Serpentinenfahrt einmal hinter sich gebracht hat, wird auf der „Spitze“ mit „Spitzen“-Aussichten und für Indien ganz untypischen, niedrigen „Spitzen“-Temperaturen belohnt. Zum einen gibt es auf dem Plateau von Matheran mehr als 38 Aussichtspunkte, deren Ausblicke sich zwar alle ähneln, aber allein schon die Verbindungswege zwischen ihnen lohnen sich wegen der Ursprünglichkeit der Wälder. Zum anderen wird es in Matheran selten heißer als 30°C, weil ein angenehmer Höhenwind weht und die dichten, alten Bäume in ihrem Schatten die Luft schön frisch halten. Ich habe bei einem Picknick zum ersten Mal seit laaanger Zeit im T-Shirt wieder gefroren. Wir müssen um die 23°C gehabt haben. Herrlich!

Ich habe mir mal den Spaß gemacht, meine Fotos vom letzten Samstag mit denen im Internet unter Google-Bildsuche zu vergleichen – man könnte meinen, die Google-Fotografen und ich hätten zwei verschiedene Orte besucht. Denn natürlich findet man online fast nur Bilder während bzw. kurz nach der Regenzeit, wenn alles so unglaublich grün ist, dass man sich tatsächlich in einem „Dschungel“ glaubt. Hier gibt's mal eben ein Beispielfoto ohne Copyright-Angabe ;-)

In nicht mal einem Monat werden die derzeit ausgetrockneten Reisfelder um Matheran herum alle bebaut sein, von den Bergen werden sich Wasserfälle stürzen, die Bäume und Büsche werden blühen und das Kennzeichnendste: käme ich im Juni noch einmal nach Matheran, wären meine Schuhe nicht länger vom Staub der Gehwege verfärbt, sondern ich könnte auf grünem Moos laufen. Wirklich, ich und meine Kleider sahen aus, als hätte ich in die Asche aus unserem Rehagener Kachelofen gepustet. Über den ganzen Körper verteilt hatte sich ein feiner, rostfarbener Film gelegt – allein das Bad nach meiner Dusche zu putzen, beanspruchte 20 Minuten. Der Staub wird mich wohl auch noch einige Tage lang an unseren Matheran-Trip erinnern können.

8.5.08 17:25
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Ludivine (10.6.08 13:41)
Salut Conny!

ben dis-donc c'est super interessant ce que tu vois et vis! je t'envie vraiment!

Bises,

Ludi

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung