Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt

http://myblog.de/filzschuh-leipzig

Gratis bloggen bei
myblog.de





Indian oder Indian?

Ob mit dem englischen Wort "Indian" ein Indianer oder ein Inder gemeint ist, erschließt sich oft erst aus der Situation, in der das Wort fällt. Der "Indian Way of Life" kann daher auch ganz unterschiedlich interpretiert werden, so er doch auf zwei verschiedenen Kontinenten stattfindet. Als wir Praktikanten an diesem Wochenende mal so richtig "Indian" sein wollten, sind wir deshalb Nummer Sicher gegangen und haben BEIDES nachempfunden, d.h. wir waren am Sonnabend indianisch und dann am Sonntag noch einmal indisch. 

Am Samstag hatten befreundete Franzosen zu einer originellen Cowboy- und Indianer-Party eingeladen. Ich kann mich kaum noch daran erinnern, wann und als was ich mich das letzte Mal verkleidet hatte. Umso größer war die Freude, dies endlich mal wieder tun zu dürfen, bevor ich verlerne, wie so etwas geht. Und so entstanden vier edelmütige Rothäute und zwei abenteuerlustige Cowboys in unserem Appartment, die den Ausflug in die Prärie mit einem (Anti-)Regen-Tanz begannen und dann auf klapprigen Riksha-Rössern in einer großen Staubwolke entschwanden. Im Saloon wurden wir schon von anderen Wild-West-Bewohnern unterschiedlichster Nationalität erwartet, mit denen wir die Friedenspfeife zur Knüpfung von Freundschaften rauchen konnten. Es war ein sehr unterhaltsamer Abend, an dem viel und ausgelassen getanzt wurde ... darunter auch à la Bollywood, denn wir hatten auch ein paar indische Indianer in unserer Gesellschaft, die auf IHRE Diskohits bestanden und uns entsprechend animierten: spring rechts, spring links, Arme hoch, Arme runter ... Ich habe Tränen gelacht!

 

Am Tag darauf folgte dann die Metamorphose zum Inder. Wir waren zur Hochzeit von einer Kollegin eingeladen worden - die Besorgung der hierzu passenden, indischen Festtagsgewänder hatte uns bereits die letzten zehn Tage in Schach gehalten. Fündig geworden sind wir letztendlich alle in ein und demselben Geschäft, im Varma, einem der teuersten Kleidershops in Pune überhaupt, aber für Europäer gerade noch bezahlbar. Die dort ersteigerten Schmuckstücke konnten nun auch ausgeführt werden: Irene, Sara und Renée trugen auf der Hochzeit farbenfrohe, bestickte Saris, während Vidya und ich uns für reicher verzierte Salwar Kameez' entschieden hatten. So festlich angezogen kamen wir uns alle wie Akteure in einem Bollywood-Film vor - auf dem Weg zum Fest waren wir dementsprechend DIE Sensation auf den Straßen.

 

Allerdings haben wir nicht die gesamte Hochzeitsprozedur miterlebt, sondern nur die so genannte "Reception Ceremony". Das ist der letzte Abend der Feierlichkeiten. An diesem sind alle Freunde, Kollegen, Nachbarn und sonstigen Bekannten eingeladen, um ihnen die Gelegenheit zu bieten, dem frisch gebackenen Brautpaar zu gratulieren. Für Reshmas Reception wurde eine große Bühne aufgebaut, reichlich dekoriert mit bunten Blumen, und Reshma selbst dann mit ihrem Mann in die Mitte gestellt. Vor der Bühne standen wie in einem Theater die Stühle der Gäste, die gruppenweise auf die Bühne kamen, Glüchwünsche aussprachen und ggf. Geschenke überreichten. Jeder Gast bzw. jede Gastgruppe wurde dabei gefilmt. Zum Abschluss wurde jeweils ein Halbkreis um das Paar gebildet und ein Foto geschossen. Allein auf diese Weise müssen an die 200 Fotos entstanden sein.

 

Nachdem auch wir Praktikanten an der Reihe gewesen waren, um zusammen mit Reshma im Rampenlicht zu stehen und ihr zu gratulieren, konnten wir entscheiden, ob wir zurück auf unsere Plätze gehen oder das Buffet stürmen wollten. Dieses war bestimmt an die 15 Meter lang und bot verschiedenste Spezialtäten aus Maharashtra. Natürlich habe ich wieder viel zu viel gegessen, was insofern verhängnisvoll war, weil bei einer Reception kein Tanz vorgesehen ist, bei dem man die überflüssigen Pfunde wieder abtrainieren könnte. Glücklicherweise mussten wir uns mit unseren dicken Bäuchen nicht in einer engen Riksha stapeln, sondern wurden von befreundeten Kollegen ganz komfortabel mit dem Auto nach Hause gefahren – mit Rahul Shwarmas beruhigender Verdauungsmusik im CD-Player.

1.6.08 17:37
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung